Das „Trois Pommes“ Imperium

trudie_goetzIhr Name fällt unweigerlich, wenn von Mode in der Schweiz die Rede ist. Der Erfolg der gebür­tigen Baslerin, einer leidenschaftlichen und instinktiven Frau, ist in der Modwelt weit über die Landesgrenzen hinaus ein Begriff. Sie geniesst das Vertrauen der namhaftesten Marken und ist mit allen grossen Namen von Tom Ford über Azzedine Alaïa bis Miucca Prada im Kontakt. Aber für die aussergewöhnliche Frau, die gleichermassen umtriebig und diskret ist und die nur wenige Leute wirklich kennen, ist es Ehrensache, neue Talente zu entdecken und zu fördern. Die Frau, die immer an vorderster Front mittut, ist heute Chefin von 160 Personen, die in 36 „Trois Pommes“ Boutiquen in Zürich, St. Moritz, Basel und Gstaad beschäftigt sind. Nie um Ideen verlegen, hat sie unter einer ihrer Boutiquen an der Storchengasse gar einen Spa exklusiv für ihre Kundinnen eingerichtet. Eine Begegnung mit Trudie Goetz.

An jenem Morgen herrscht in Zürich schönes Wetter. Es sind noch Schulferien, und es ist noch nicht einmal 9 Uhr. Die Stadt scheint etwas langsamer zur funktionieren, und eine entspannte Atmosphäre liegt über unserer Wirtschaftsmetropole. Für ein­mal ist es kein Problem, in der Innenstadt einen Parkplatz zu finden. Ich sage mir, dass dieser schöne Tag gut beginnt und dass Zürich eigentlich öfter Ferien machen sollte. Mein Rendez-vous ist in der Storchengasse Nummer 8. Das trifft sich gut, denn ich mag diese Zahl. Während ich übers Pflaster marschiere, sehe ich – als wollte man mir in Erinnerung rufen, mit wem ich abgemacht habe – links und rechts, überall den Schriftzug „Trois Pommes“ an den neusten Kollektionen der be­rühmt­esten Marken in den Schaufenstern… Gucci, Jil Sander, Dolce & Gabbana, Dior, John Galliano, Alexander McQueen, Etro, Blumarine, Roberto Cavalli, Miu Miu, Balenciaga, Tom Ford, Lanvin, Alaïa… oder speziellerer Labels wie Thom Browne oder Kieselstein zum Beispiel… Die Liste ist noch lang. Ich sage mir, dass diese Strasse eigentlich eher „Trois Pommes“ als Storchengasse heissen sollte. Ich läute bei Nummer 8, es ist punkt 9 Uhr. Ein schönes, perfekt restauriertes Gebäude, schwere Holztüre und der Eingang ist eher diskret. Per Gegensprechanlage teilt mir eine Stimme mit, ich solle den Lift am Ende des Gangs nehmen und in den ersten Stock fahren. Die Lifttür geht auf, und ein grosser Hund mit einem roten Halstuch empfängt mich. Ein Hund mit Stil, und ich sage mir, dass das ja bei „Trois Pommes“ nur logisch ist. Der Empfang durch zwei Mitarbeiterinnen und einen Mitarbeiter namens Theo ist herzlich. Schau an, die Welt ist klein. Am Vorabend war ich mit einer Freundin essen, einer treuen Kundin der Boutique Prada an der Bahnhofstrasse. Sie erzählte mir von einem Theo, der sich so gut um sie gekümmert hätte – das war er. Trudie Goetz kommt lächelnd auf mich zu, und man begrüsst sich. Wir setzen uns an einen schlichten Designertisch. Kleiner Kaffee und Vorstellungsrunde (wir hatten uns vorher ein einziges Mal zwischen Tür und Angel an einem Anlass getroffen, den sie mit Puma organisiert hatte). Vor mir habe ich eine charmante, liebenswürdige und intelligente Frau. Das Interview kann beginnen.

Wie würden Sie sich selbst beschreiben ?
Ich bin Unternehmerin, eine Frau in Bewegung, und ich habe immer ein neues Projekt im Kopf. Ich bin sehr anspruchsvoll sowohl mir selbst als auch anderen Menschen gegenüber. Ich habe viele Engagements, und ich versuche meine Verpflich­tungen und Aufgaben bestmöglich und seriös zu erfüllen.
Warum der Name „Trois Pommes“ ?
Die Idee für den Namen „Trois Pommes“ geht auf die Erbsünde von Adam und Eva im Paradies zurück. Was gibt es Schöneres als in Versuchung gebracht zu werden und … ihr zu erliegen ?
Wie würden Sie Ihren Job beschreiben ? Busi­ness woman ? Modevisionärin ? Was mögen Sie an Ihrer Arbeit am liebsten ?
Zunächst fühle ich mich als Visionärin bei der Auswahl der Trends und Designer. Ich liebe es, Neuentdeckungen kennenzulernen und in der Fol­ge meine Kundschaft dazu zu ermuntern.
Wie verläuft ein Tag im Leben von Trudie Goetz ? Relax ? 200km/h ? Sind Sie sehr organi­siert ? Improvisieren Sie?
Mein Tag beginnt morgens sehr früh mit Sport, das ist unverzichtbar, um den Tag gut anzufangen. Ich versuche, meine geplanten Aufgaben nach Dringlichkeit zu ordnen. Ein Tag von Trudie Goetz ist immer sehr intensiv. Um alle unvorgesehenen Situationen meistern zu können ist heutzutage Flexibilität für den Erfolg eines Unternehmens eine Notwendigkeit geworden.
Erzählen Sie von Ihrer ersten Boutique ?
Meine erste Boutique wurde in Liestal im Basel­biet eröffnet. Von Anfang an bot ich nur meine Lieblings­designer an, und meine Kundinnnen hatten eine ganz andere Kauferfahrung. Bei „Trois Pommes“ waren immer viel Leidenschaft und Emo­tionen im Spiel.
„Trois Pommes“ ist ein unglaublicher Erfolg… Können Sie mit dem Wort „unglaublicher Er­folg“ leben ?
Es stimmt, dass es heute ein bekanntes und inter­national anerkanntes Konzept ist. Ein Konzept, für das Mode und Schönheit im Zentrum stehen.
Sind Sie stolz ?
Ja, absolut. Ich bin sehr stolz, und ich freue mich jeden Tag noch mehr, meine Kundinnen aus der ganzen Welt zufriedenstellen, überraschen und faszinieren zu können.
Weitere Projekte ?
Natürlich schaue ich immer in die Zukunft. Denn kein Projekt – kein Erfolg !
Ein Modedesigner, eine Modedesignerin, der/die Sie fasziniert ?
Ohne zu zögern : Miucca Prada ist meine Favoritin, ich mag sie sehr. Prada hat unglaublichen Erfolg, und es ist eine moderne Marke, die der Gesellschaft von heute perfekt entspricht. Natürlich mag ich viele andere auch sehr gern, zum Beispiel Azze­dine Alaïa, eine sehr herzliche, einfache und zu­gängliche Person…
Warum Zürich, Gstaad, St. Moritz, Basel… Und wann Genf, Verbier oder Crans-Montana ?
Ganz einfach : Basel ist die Stadt, in der ich ge­boren wurde. Zürich ist eine internationale Stadt. St. Moritz die Berge meiner Zürcher Kundschaft und Gstaad die Berge meiner Basler Kunden. Meine Verbindung zu meiner Kundschaft ist sehr eng, ich folge ihr und sie folgt mir. Was die Westschweiz betrifft, so waren wir vor einigen Jahren mit mehreren Boutiquen in Genf präsent. Meine Philosophie entsprach aber nicht jener am Genferseezipfel. Natürlich spreche ich von der Staff, nicht von der Kundschaft. Es gab einfach zuviel Ärger, und so zog ich es vor aufzuhören und zu verkaufen.
Ihre Definition von Mode, wenn es denn für Sie eine gibt ?
Mode ist eine wichtige Komponente der Kultur und auch ein unverzichtbares Kommunikations­instrument in unserer Gesellschaft.
Ihre grösste Stärke ?
Flexibilität, Kreativität, Motivation und Stabilität.
Ihre grösste Schwäche ?
Ungeduld.
Beurteilen Sie die Leute nach Ihrer Kleidung ?
Beim ersten Eindruck sicher.
Schweizer Läden, die Sie ausser Ihren eigenen schätzen ?
In der Schweiz gibt es keinen Laden, der bei mir besondere Bewunderung oder Neugier weckt. Im Ausland hingegen hat es jede Menge, die eröffnet werden und neue Ideen und innovative Konzepte haben, die mich inspirieren.
Wieviele Mitarbeiter und Läden umfasst „Trois Pommes“ heute ? Und mit welchen Marken haben Sie den grössten Erfolg ?
160 Mitarbeiter(innen) und 36 Läden in Zürich, Basel, St. Moritz und Gstaad. Zu finden sind darin die bekanntesten und meine bevorzugten Designer. Gegenwärtig hat Prada den grössten Erfolg, gefolgt von Jil Sander und Dolce Gabbana.
Wer ist Ihre Kundschaft ?
Qualitätsbewusste Leute mit Flair für die Mode, um die Kommunikation mit den anderen zu steigern.
Ich habe in der Weltwoche gelesen, dass Sie Tom Ford gut kennen… Was nehmen Sie von einer solchen Persönlichkeit mit ?
Tom Ford ist ein Phänomen, das die Gabe besitzt, die Leute zu motivieren. Das ist unsere Gemeinsam­keit. Tom Ford ist eine aussergewöhnliche Persön­lichkeit ! Bemerkenswert !
Ihr Verhältnis zur Stadt Zürich ?
Zürich ist die Stadt mit der weltweit besten Lebensqualität, und sie entspricht perfekt meinen täglichen Bedürfnissen. Ich fühle mich da beson­ders wohl.
Eine oder mehrere Grossstädte, die Sie beson­ders mögen ?
N.Y.C. – Paris – Tokio.
Ihre Freizeit ? Was machen Sie in Ihrer freien Zeit ?
Ich bin nicht kompliziert. Ich bleibe gerne ruhig zuhause und geniesse Zürich und den See.
Woraus schöpfen Sie Ihre Inspiration und Energie ?
Immer, wenn ich reise, wird die Inspiration durch meine Empfindungen und Emotionen geweckt. Ich funktioniere vor allem nach dem Instinkt.
Die Schweiz und Mode… passt das zusammen?
Natürlich gibt es einige bekannte Schweizer Designer, genau wie im Ausland auch. Und es gibt einen richtigen Kundenkreis, der sich für Mode interessiert. „Trois Pommes“ ist der Beweis.
Mögen Sie alle Marken, die Sie verkaufen. Gibt es Favoriten? Ist da immer eine kommerzielle Optik dahinter?
Ich geniesse den grossen Luxus, mit jenen Desi­gnern zusammenzuarbeiten, die ich mag und die meiner Philosophie und Vorstellung entsprechen. Der kommerzelle Aspekt ist sekundär.
Wenn Sie noch einmal vorne anfangen könnten – was würden Sie anders machen ?
Ich denke, ich würde dieselben Entscheidungen treffen, aber ich würde immer meinem Instinkt folgen.
Sind Sie glücklich ?
Ich bin stolz und sehr glücklich.
Werden Sie „Trois Pommes“ verkaufen ?
Ich bin noch nicht reif für eine solche Entschei­dung.
Bei einer solchen Unternehmung eine Frau zu sein – ist dies ein Vorteil oder ist es schwieriger?
Ein Frau zu sein war in der Modewelt nie ein Hindernis. Im Gegenteil, ich denke, es war sogar ein Vorteil.
Warum machen Sie all das ? Brauchen Sie An­er­kennung ?
Ich frage mich das eigentlich nicht. Dass ich Chefin eines Unternehmens bin, ist mein Beruf und gleichzeitig mein Leben. Es ist eine Leidenschaft, und ich stelle mich dem, so ist das.
Woher kommen Sie ? Aus privilegierten oder weniger privilegierten Verhältnissen? Welchen Stellenwert hatte die Mode?
Ich komme aus einer Familie, in der die Bezie­h­ungen einfach sind. Ich hatte das Glück eine Mutter zu haben, die gut schneidern konnte.
Ihre erste Erinnerung im Zusammenhang mit Mode?
Als ich klein war, trug ich immer die Eigen­kreationen meiner Mutter. So kam ich mit diesem Bereich in Berührung und bin dabei geblieben.
Ein Schlusswort ?
Kleider machen Leute !!!

www.troispommes.ch

By Bernard Tâche
© © Made in Varma, Location : Shop Prada, Trois Pommes, Bahnhofstrasse 18, 8001 Zürich